Torfstechen.

Für die frühen Siedler im Papenburger Moor war das Torfstechen überlebenswichtig. Torfabbau und Torfverkauf stellten die zunächst einzige wirtschaftliche Grundlage dar.

Durch das Trockenlegen der Moore mit Hilfe der Kanäle und zahlloser Gräben schrumpfte das sich bis dahin im Mittel von 6 bis 8 Metern sich auftürmende Moor auf 4 bis 6 Meter und war nunmehr auch begehbar. So konnte Torf fast industriell abgebaut und verkauft werden.

Das Torfstechen war die Aufgabe von im Allgemeinen aus 5 Personen bestehenden Arbeitsgruppen. Dazu gehörten der Bunker, der die Gras und Krautschicht der Mooroberfläche entfernte und oftmals auch die darunter liegende Weißtorfschicht abstach, die die Siedler zunächst als wertlos erachteten. Sie besaß nur einen minimalen Brennwert. Weiter gehörte zur Gruppe der Sticker. Mit einem speziellen Stechspaten stach dieser parallel und vertikal alle 15 Zentimeter in die freigelegte Schwarztorfschicht und am Kopfende, also quer vor den einzelnen Stücken nochmals in die Torfschicht, so dass Stücke von 15 cm Breite und 45 cm Länge entstanden. Ein weiterer Arbeiter stach dann mit dem Torfspaten, dem Jaoger, diese Stücke in einer Dicke von ca. 15 cm aus und legte sie entweder ganz nach oben auf die Mooroberfläche oder auf die nächst höhere Stufe. Es wurde jeweils stufenweise gestochen, um die Moorhöhen zu überwinden. Nach vorne hin entstand auf diese Weise allmählich ein tiefes Loch, eine stetig größer werdende Vertiefung, die sogenannte Pütte, die oftmals bis zum sandigen Untergrund reichte. Ein weiterer Arbeiter, der Kaorensetter, der Karrensetzer, nahm die abgelegten Torfstücke mit einer kurzzinkigen Forke auf und legte die einzelnen Torfstücke auf eine Torfkarre oder eine kleine Lore, die der Kroider, der Karrenschieber, dann zum sogenannten Slag fuhr. Dort wurden die Karre oder die Lore seitlich abgekippt und es entstanden lange, schräg aneinander gelegte Torfreihen. An diesen Torfreihen konnte dann auch schnell die gestochene Torfmenge ermittelt werden. Man stach gewöhnlich ein Dagwark Torf, oder ca. 10.000 bis 12.000 Stück Torf. Das heißt, das Tagespensum betrug ca. 15 Reihen von 100 m Länge.

Die Aufgabe der Frauen und auch der Kinder war es später, wenn die im Slag liegenden Torfreihen in etwa handtrocken abgelagert waren, die einzelnen Torfstücke zu kleinen Stühlchen im Kreuzverbund aufzusetzen, Bülten oder Ringen. Somit konnte der Torf durch Wind und Sonne getrocknet werden und als Energieträger zum Heizen dienen und verkauft werden.

Ertragsrechnung pro Tagwerk.
Arbeitslohn: Torfstechen 5 Männer a 10 Stüber = 50 Stüber – heute 50 Cent.
Kost: 5 Männer a 6 Stüber = 30 Stüber.
Bülten: 2 Frauen a 4 Stüber = 8 Stüber.
Verladen aufs Schiff: 4 Männer – 2 Karrenschieber und 2 Aufleger –  je 6 Stüber = 24 Stüber.
Abgaben an die Herrschaft für schwarzen Torf: 33 Stüber.
Arbeitslohn und Abgaben insgesamt: 145 Stüber.

Verkaufspreis an den Torfschiffer: 180 Stüber. 
Gewinn pro Tagwerk: 35 Stüber.

Autor: Ludger Stukenborg, Sprecherin: Monika Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach