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Papenbörger Hus.

Kapitänshaus.

Das Papenbörger Hus ist das Kernstück des Fehnfreilichtmuseums Von-Velen-Anlage. Es wurde im Jahre 1820 vom Siedler Gerd Bröring oder aber, was heute nicht mehr eindeutig festzustellen ist, erst im Jahre 1848 vom Sohn des Gerd Bröring, dem Kapitän Gerd Bröring, erbaut. Auf jeden Fall findet sich im vorderen Hausgiebel ein alter, eingemauerter Backstein mit dem Namenszug Gerd Bröring. Leider findet sich hierauf keine Jahreszahl.

Auffallend ist das aus Eichenstämmen bestehende Ständerwerk. Die einzelnen auf Backsteinsockeln aufgesetzten Ständer sind recht krumm und astig. Das bessere Holz wurde da eher für den Schiffsbau genutzt. Die Dachsparren liegen auf relativ niedrigen Seitenwänden. Damit nahm man aufgrund des weichen, moorigen Untergrunds etwas Druck vom Mauerwerk. Das Dach zieht sich tief gegen den Wind. Die Ostfriesischen Hohlpfannen sind mit Strohdocken, die etwa zwei Zentimeter unter den Pfannen hervorschauen, unterlegt. An ihnen glitt der Wind ab und presste die Pfannen fest in ihr Strohbett. Der Grundriss des Hauses ist relativ einfach. Eine große Wohnküche, die Vörköke, mit zwei Schlafkojen, den Butzen, ein kleiner zweiteiliger Nebenraum, die Kapitänsstube, ein Schlafraum mit Bett, die sog. Upkaomer, über einem niedrigen Kriechkeller und eine Backstube bilden den Wohnbereich. Dahinter befinden sich eine große Tenne, welche als Lagerraum für Brenntorf und Stroh diente und davon abgetrennt ein Kuhstand und ein Schweinestall. Daneben befand sich ein Plumpsklo.

Nach dem Tode des Kapitäns Gerd Bröring heiratete die Witwe Adelheid Bröring den verwitweten Kapitän Hermann Middendorf. Aus dieser Ehe ist eine Tochter hervorgegangen, Angela Middendorf. Als Erbin des elterlichen Hauses heiratete diese den in der Nachbarschaft auf der gegenüberliegenden Kanalseite wohnenden Rudolf Dreyer. Dessen Vater, Hermann Dreyer, baute mit weiteren 13 Anteilseignern für ca. 20 000 Gulden auf der H.W. Meyer Werft die Schonergaliot „Frederik“. Hermann Dreyer hielt dabei die Anteilsmehrheit. Nach seinem Tode folgte ihm als Kapitän und auch als Mehrheitsanteilseigner des Schiffes sein Sohn Rudolf, der das Schiff bis 1895 fuhr. Nach dessen Einheirat in das Haus Middendorf ging dieses in den Namen Dreyer über. So trugen auch die einzige Tochter Adelheid und die fünf Söhne des Ehepaares den Namen Dreyer. Adelheid Dreyer blieb nach dem Tode von Rudolf Dreyer bis 1979 im Hause wohnen. Sie hat nie geheiratet. Rudolf Dreyer blieb 1900 auf hoher See verschollen, nachdem er 1895 seine Schonergaliot nach Delfzyl verkauft und als Kapitän auf dem Heringslogger „Mannheim“ angeheuert hatte. Adelheid Dreyer starb im April des Jahres 1982 im Alter von 85 Jahren.

Das Kapitänshaus Papenbörger Hus wird heute im Rahmen des Museumsbetriebes als Restaurant betrieben.

Autor: Ludger Stukenborg, Sprecherin: Monika Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach