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Muttschifferhaus.

Tant Sinis Hus.

Die junge Fehnkolonie Papenburg hatte sich durch die Kanäle, die unmittelbar an den Plaatzen der Siedler vorbeiführten, und durch ein effektives Schleusensystem frühzeitig in die Lage versetzt, ihren in Handarbeit gestochenen Torf in größeren Mengen zu transportieren und zu verkaufen. Da waren einerseits die Ostfriesischen Ziegeleien, die Torf in riesigen Mengen für das Ziegelbrennen verbrauchten, da waren aber auch die nahen Städte wie Leer und Emden, wo Torf zum Heizen benötigt wurde.

So besaß folgerichtig jeder Siedler, der die grundherrliche Erlaubnis hatte, die Möglichkeit, mit seinem kleinen Torfkahn, Spitzmutte oder Dagwarksmutte, von seiner Plaatze aus zu jedem Ort innerhalb Papenburgs und sogar abwärts der Ems bis zu ihrer Einmündung in den Dollart nach Emden zu fahren. Auf diese Art und Weise entwickelte sich neben der reinen Torfgräberei schnell ein reges Handelswesen. Torf wurde gegen Steine, Lebensmittel, Dingen des täglichen Bedarfs usw. verhandelt.

Doch zwei Ereignisse zwangen die Papenburger Schiffer, sich nach neuen Absatzmärkten umzuschauen. Die Auflage des Grundherrn Christoph Alexander von Velen, die Torfabgabe in einer von ihm bestimmten „harten“ Währung und nicht mehr in Naturalien zu entrichten, war nicht zu erfüllen, sofern der Handel im Wesentlichen seine Anlaufstationen in den ostfriesischen Städten hatte. Die Ostfriesische Währung, „Emder Uhlen“ und „Flinders“, war zu der Zeit immer mehr zu einer „schlechten“ Währung geworden. So fuhren die Papenburger Schiffer alsbald nach Bremen und Hamburg, um ihre Waren gegen härtere Währung zu veräußern. Ein weiteres Ereignis aber war noch gravierender. Zwar gab es in Ostfriesland mit Großefehn, Holterfehn, Ihringsfehn oder Westrhauderfehn auch Fehnkolonien. Doch hatten die Papenburger gegenüber diesen Kolonien einen riesigen Vorteil. Die unmittelbare Lage zur Ems und der durch die Schleusen garantiert ständig gleiche Wasserstand, welcher für die Schifffahrt und einen geregelten Handel notwendig war, machten es möglich, dass die Schiffe zu jeder Zeit mit voller Ladung fahren konnten. Das war in den ostfriesischen Fehnkolonien nicht gegeben. Um nun diese voranzutreiben, verhängten die ostfriesischen Häuptlinge im Jahre 1719 gegen Papenburg einen Wirtschaftsboykott. Sie verboten den Import von Torf aus Papenburg und gleichzeitig den Export von Heu und Viehdung nach Papenburg. Zur Aufrechterhaltung der Papenburger Wirtschaft wurde es jetzt unumgänglich notwendig, im verstärkten Maße über das Wattenmeer bis in das Jeverland sowie nach Bremen und Hamburg zu fahren und neue Märkte zu erschließen. Das hatte auch zur Folge, dass die längeren Reisen bis Bremen und Hamburg durch größere Rückladung lohnend gemacht werden mussten und sich für Papenburg selbst die Entwicklung zu einem Handelsplatz ergab. Durch die Ausweitung des Handels erfuhren Schifffahrt und Handel eine starke Belebung. Es kam Geld nach Papenburg. Auch brachten die Schiffer aus den Städten viele Dinge des täglichen Bedarfs und Ideen, aber auch ein neues Gefühl für Hygiene mit. Die Schlafbutzen wurden allmählich abgelöst durch Betten und Schlafzimmer. Die Häuser wurden geräumiger und schafften Platz für Schifffahrt und Landwirtschaft. Ja man baute sogar Toiletten, Plumpsklos. Die Menschen wurden älter und gesünder.

Autor: Ludger Stukenborg, Sprecherin: Monika Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach