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Moorleichen.

„Skelettmann von Esterwegen“.

Am 27. Februar 1939 stieß der Torfarbeiter Heinrich Breer aus Esterwegen beim Weißtorfstechen auf mehrere Knochen eines menschlichen Skelettes. Die Leiche wurde von Dr. Neuhaus vom Pathologischen Institut des Landes Oldenburg begutachtet. Demnach handelt es sich um einen 12 bis 14 jährigen Jungen. Er war Rechtshänder und litt an einer Gehbehinderung. Er war etwa 1,50 m groß und wahrscheinlich nicht weit unter 20 Jahren. Im Rahmen einer C-Analyse ergab sich ein calibriertes Datum von 1040 bis 1164 nach Christus. Der Junge lebte also vor etwa 850 bis 980 Jahren.

Um seinen Tod ranken sich viele Geschichten, so auch diese in plattdeutscher Sprache gehaltene.

„Schausters Bernd“.

Äines Novemberoabends wull so’n jungen Kerl ut Esterwägen, Schausters Bernd noimde häi sick, sien Wicht ut Poapenbörg, dat häi up däi groate Karmse in Poa-penbörg, dän Ausgustmarkt, kennenlernt har, beseuken. In sien bästen Anzug und mit blankputzte Schauhe mök häi sick up‘n Patt dört endlose Moar noa Poapen-börg tau. Man dat was üm doch‘n bittken loate woarn. Däi Dunkelheit füllt all in. Doch Bernd kennde sick in’t Moar gaut ut un däi Moand lüchtede üm dän Wäg. Doch wat was dat. Nu trück uck noch Näbel up. Un bolde kun Bernd sien äigen Hande nich mehr vör däi Aagen säihn. So durde dat uk nich lange, un Bernd köm von‘n Patt aff. Oane Künne lööp häi nu Stunde üm Stunde döärt Moar. Langsam krööp üm däi Angst an. Bernd wörd dat doch’n bittken benauet tau Maue. Man up äinmoal seeg häi dör dän Näbel all so lüttke Luchter. Däi flackern‘n moal hier un flackern‘n moal doar up un wassen in‘n nächsten Aogenblick nich mehr tau säihn. „Doar möät Hüser wän, doar woahnt Lüe, doar mutt ick up tau!“, mäinde Bernd tau sick. Watt häi abers nich wüss: Däi Lichter was’n Irrlichter, Irrlichter, däi immer doar tau säihn sind, wo dat Moar so richtig natt is, doar wo däi Moaroagen und Moarkolke sind. Un so kööm‘t, as‘t koamen müss. Bernd trap-pelde in so’n Moarkolk un dat Moar greep mit iesige Hande noa üm un leet üm nich wär loos. Bernd strampelde un strampelde. „Help mie, help mie!“ röp häi in siene Not. Man all‘s Roapen üm Hülpe nützede nix. Eländiglich kööm hei inn’t Moar tau Doe. Dat Moar schlööt sick över üm, un Schausters Bernd was doar nich mehr.
Gaut 800 Joahr löäter fünnen Torfarbeiter bied Törfstäken usen Bernd. Läip mo-ager was häi worn. Vondoage kann man Bernd in’t Fehnmuseum in Elisabethfehn säihn. Doar is sien Moarlieke utstellt äs „Skelettmann von Esterwegen“.

Autor: Ludger Stukenborg, Sprechende: Monika & Ludger Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach