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Moorkaten.

Leben und Arbeiten der Moorpioniere.

Gleich nachdem die ankommenden Siedler ihre Unterschrift unter den Pachtvertrag gesetzt hatten, stellte sich ihnen die Frage: „ Wo übernachten wir? Wo können wir eine Hütte aufschlagen?“ Viele verbrachten die ersten Nächte unter freiem Himmel, manchmal nur notdürftig zugedeckt unter einem mitgebrachten Schafwollfell, einer leichten Decke oder auch legten sie sich unter eine Wanne, in welcher sie den ersten Hausstand mitgebracht hatten.

Das Suchen nach einem passenden „Bauplatz“ war eine besondere Herausforderung. Viele Plaatzen waren so nass, dass die zu bauenden Unterkünfte regelrecht im Moor versanken. Auch passierte es, dass einige Siedler von einem nahen Sandhügel, wie in Papenburg vom sogenannten „Vossebarg“ oder „Sandbarg“, Sand zu ihren Plaatzen herankarrten, um einen festen Untergrund zu schaffen. Doch nach wenigen Tagen waren auch diese im Moor versunken. War der Bauplatz dann gefunden und bereitet, so fällte man Birkenbäume, stellte die Baumstämme dachförmig gegeneinander auf und befestigte darauf Birkenäste, Zweige und Birkenreisig. Mangels Dachziegel dienten Heide-, Grassoden und Erdschollen als Dachziegel. Der einzige Raum in der Kate, „Klutenhütte“ genannt, diente als Küche, Stube, Schlafzimmer und Stallung zugleich. Zum Schlafen legte man sich auf die nackte Erde, auf die man etwas Heidekraut und Gras schüttete. Eine der frühen Siedlerinnen erzählt: „Nachts schwammen uns öfter die Holzschuhe von unserem Schlafplatz fort, und wir fanden sie morgens dann draußen beim Eingang wieder. Um einigermaßen sicher über das Moor zu gehen, sprangen wir mit einem „Pullstock“ von Pullten zu Pullten (Erdhaufen zu Erdhaufen). Zu essen gab es nur wenig. Die einzige Lebensgrundlage bestand aus den mitgebrachten Vorräten, einigen Haustieren wie Hühner, Schaf oder Ziege und den ersten geringen Erlösen aus dem Verkauf des abgestochenen Torfes. Oft legten wir uns abends hungrig auf unser Nachtlager. Welche Freude war es, wenn wir eine Schnitte trockenes Brot – Schwarzbrot – erhielten, die Vater vom Markt mitgebracht hatte. Sie schmeckte uns leckerer als den Kindern heute Kuchen oder Süßigkeiten. Morgens nach dem Aufstehen mussten wir gemeinsam zunächst das Vieh versorgen, Wasser schöpfen, das offene Herdfeuer (Torffeuer) entfachen und das Frühstück zubereiten. Nach dem Essen ging es zur Arbeit. Während die Männer Torf stachen, haben die Kinder und Frauen Torf zum Trocknen aufsetzt, – Ringen oder Stuken -. Der Tag war mit viel Arbeit und Sorge um das tägliche Überleben angefüllt. Die Kinder gingen nur im Winter zur Schule. Im Sommer mussten sie im Moor und auf dem Hof mitarbeiten. Auch war die Zahl der Kinder groß. 12 bis 15 Kinder waren keine Seltenheit. Leider starben auch viele an Krankheiten wie Tuberkulose, Schwindsucht, Ruhr, Lungenentzündung. Der Tod war allgegenwärtig. „Besser es stirbt ein Kind als das Schaf“, lautete ein Trostspruch für die Frauen. Und dennoch war die große Kinderschar für die Eltern eine Art Lebensversicherung. Kinder waren nicht nur Esser sondern gleichzeitig billige Arbeitskräfte.

Autor: Ludger Stukenborg, Sprecherin: Monika Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach