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Die Kanäle der Stadt Papenburg.

Entstehung und Bedeutung.

Das signifikante Merkmal der Stadt Papenburg sind die kilometerlangen und schnurgeraden Kanäle, im Volksmund Däip genannt, die sich über eine Gesamtlänge von nahezu 45 km durch die in der Zwischenzeit weitgehend abgetorften Moore von der Ems bis hin zum heutigen Küstenkanal und darüber hinaus bis nach Surwold / Börgerwald am Rand des Geestrücken Hümmling ziehen. Ihre wichtigste Aufgabe war es, das end- und weglose Moor zu entwässern.

So wurde mit 1631 ein aus südöstlicher Richtung kommender und sich zur Ems hinziehender natürlicher Wasserlauf, der sogenannte Papenburger Rillen, vertieft und kanalmäßig ausgebaut bzw. verlängert. Bis heute durchzieht er als Hauptkanal von der Ems kommend den heutigen Stadtteil Untenende, um sich seit 1688 in südöstlicher Richtung nunmehr als Wiek und 1698 als sich daran anschließender Mittelkanal fortzusetzen. Der Begriff Wiek bedeutet so viel wie „Weiche“ im Sinne von Abzweigung bzw. Abbiegung. „Man weicht aus.“ Der ehemals vom Knotenpunkt Wiek und Mittelkanal in Richtung Nordwesten abzweigende Osterkanal wurde Mitte des 20. Jahrhunderts zugeschüttet, da man ihn nicht mehr für die Schifffahrt benötigte. Vom Mittelkanal kommend wurde ab 1727 in Richtung Südosten das sich meterhoch auftürmende Moor „aufgesplitzt“ – geteilt . Es entstand der Splittingkanal, der südlich des Küstenkanals als Börgerwaldkanal in Surwold endet. In Erweiterung des Siedlungsgebietes wurden im Ortsteil Obenende vom Splittingkanal in östlicher Richtung abzweigend ab 1800 die Ommeländer Wyk, heute Umländerwiek, und ab 1810 die 1. Wiek in das Moor gegraben und besiedelt. Von der Umländerwiek zweigt heute in Richtung der Gemarkung Bockhorst/ Burlage der Kanal Lüchtenburg ab. Ebenfalls vom Splittingkanal zweigte in südwestlicher Richtung die Süderwiek ab. Diese war 1794 bis zum Knick Barenbergstrasse fertiggestellt und besiedelt. 1873 und 1878 siedelte sich an der Süderwiek die Chemische Industrie AG, welche Raseneisenerz verhüttet und Gläser anfertigte, an. Die heutige Glashütte ist noch ein beredter Zeuge dieser frühen Industrieansiedlung, welche in einer Filiale in Höhe der heutigen Siedlung Obermoor ihre Ergänzung fand, die Alte Glashütte und die Neue Glashütte. Übrigens, der Volksmund taufte die Süderwiek im Laufe der Jahre in Bethlehemkanal um. Der Name soll daher kommen, dass eine uralte, erbärmlich aussehende Siedlerstelle am Bethlemkanal die Menschen an die Geburt Jesu in einem Stall von Bethlehem erinnerte.

Werden die Kanäle heute im Wesentlichen gespeist von den Wassern des Küstenkanals und Gräben und Fleete aus den ehemaligen Moorgebieten, so wurden sie vor Entstehung des Küstenkanales von den beiden höher gelegenen „Sumpfmeeren“, dem „Grossen Meer“ und dem „Berke Meer“. Beide sind heute weitgehend verlandet und nicht mehr als Meere erkennbar.

Ursprünglich wurden die Kanäle angelegt, um das Moor zu entwässern. Später konnte auf den trockengelegten Flächen Torf abgebaut und als Brennstoff nutzbar bzw. verkaufsfähig gemacht werden. Bald schon entpuppten sich die Kanäle als effiziente Transportwege. So wurde der abgebaute Torf mit Hilfe von Torfschiffen wie Spitz- und Rundmutte – Dagwarksmutte -, zunächst in die Ziegeleien im benachbarten Ostfriesland und später in die Städte wie Bremen, Hamburg und Kiel oder auch um 1700 schon nach London, Riga gebracht. Die Torfschiffe wurden zunächst von Menschenhand und später mehr und mehr von Pferden gezogen, getreidelt. Auf der Ems wurde grundsätzlich gesegelt. Bei günstigen Winden wurde aber auch auf den Kanälen das Segel setzt. Im Gefolge der Torfschiffferei entstanden an den Kanalufern im Laufe der Zeit 25 bis 29 Holzschiffswerften. Die heute in den Kanälen liegenden Schiffe sind Nachbauten solch alter Schiffe und sind wie auch die Kanäle nicht mehr verkehrstüchtig bzw. haben keinerlei wirtschaftliche Bedeutung.

Autor: Ludger Stukenborg, Sprecherin: Monika Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach