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Moorbrandkultur.

Buchweizen.

Der nährstoffarme Moorboden war für den Anbau von Kulturpflanzen völlig ungeeignet. Bis Roggen, Hafer, Weizen, Gerste, Gemüse oder Obstbäume gedeihen konnten, dauerte es noch viele Jahre. Zunächst musste das Moor abgetorft und der sandige Untergrund mit kostbarem, weil rarem Viehdung oder Schlick, den die Schiffer aus dem Wattenmeer mitbrachten, angereichert werden. Auch wurde dem Boden der bis dahin relativ wertlose Weißtorf untergemengt.

Wäre den Moorbauern nicht der Buchweizenanbau und die damit verbundene Moorbrandkultur zu Hilfe gekommen, hätten sicherlich viele von ihnen frühzeitig den Rückzug aus der Kolonie angetreten, um nicht zu verhungern.

Wie viele andere mit der Moorkolonisation verbundene Arbeitstechniken fand auch die Moorbrandkultur, wie sie schon lange in den Fehnkolonien des Groninger Landes betrieben wurde, um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts im Emsland und nahen Ostfriesland bei den Fehnsiedlern großes Interesse. Der Buchweizen stammt aus Südostanatolien. Er zählt zur Gattung der Knöteriche – Fagopyrum. Die Pflanze besitzt herzförmige Blätter und setzt viel kleine weiß bis rosafarbene Blüten an. Ihre bräunlichen, bucheckernähnlichen Früchte gaben ihr den Namen „Buchweizen“, ohne dass sie etwas mit unserem Weizen zu tun hat. Sie ist also ein Pseudogetreide.

Um nun den Moorboden für den Buchweizenanbau vorzubereiten, ihn also mit dem entsprechenden Dünger zu versorgen, mussten das Gras, Buschwerk und die Mooroberfläche verbrannt werden. Auf diese Weise wurden im Boden die für den Anbau wichtigen Stoffe und Mineralien freigesetzt. Im März begann man zunächst ein Feld anzulegen und mittels neu gezogener Gräben trockenzulegen. Dann wurde die Mooroberfläche aufgehackt, die Wollgrasbüschel und Heidehügel abgetragen, zerkleinert und gleichmäßig über den Moorboden verstreut. Das vorbereitete Feld wurde danach an der Oberfläche kontrolliert abgebrannt und die Buchweizensaat in die noch warme Asche gesät. Im Frühherbst, also in den ersten Septemberwochen wurde der Buchweizen geerntet. Nach einer siebenmaligen Ernte vom selben Feld war der Boden derartig ausgelaugt, dass er keinen Ertrag mehr brachte und ein neues Feld angelegt werden musste.

Nach der Ernte wurde das Korn geschält und diente nun als Grundnahrungsmittel. Hauptsächlich in Form von Brei, Grütze oder als Pfannkuchen. So gab es morgens zum Frühstück, mittags zum Mittagessen und abends zum Abendessen eines dieser Buchweizengerichte. Spielte in der Wachstumsperiode des Buchweizens das Wetter nicht mit und verdarb die Ernte, so litten die Siedler große Not und liefen Gefahr zu verhungern. Der Volksmund beschrieb diese Situation auch gerne mit dem Spruch: „Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot“ oder „Dän Ersten sien Dod, dän Twedden sien Not, dän Darden sien Brot.“

Autor: Ludger Stukenborg, Sprecherin: Monika Stukenborg, Webauftritt: Herbert Rohrbach